Montag, 21. November 2016

Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Von Michael Rose - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0
Vielleicht haben wir etwas verpasst. Die momentan noch im Netz verfügbare Ausgabe des Grundgesetzes und meine eigene neue Ausgabe, von der ich dachte, sie sei gültig, enthalten als Artikel 3, Absatz 2, Satz 2 folgenden Passus:

Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

An sich ziemlich klar.

Aber offenbar stellt dieser Satz keine verbindliche Rechtsnorm dar, oder er wurde in den letzten 15 Jahren durch folgenden ersetzt:

Der Staat trägt dazu bei, Nachteile bei Geschlechterasymmetrien zumindest teilweise zu kompensieren.

Das reicht offenbar als staatlicher Auftrag im Zusammenhang mit der extrem geschlechtsspezifischen Ausprägung der Prostitution. Es genügt, dazu beizutragen, Nachteile zumindest teilweise zu kompensieren.


Donnerstag, 17. November 2016

Prostituiertenmorde in Deutschland: keine singulären Ereignisse – Wo bleibt der Skandal?


CCO - Public Domain - Pixabay
Pressemittelung von Abolition 2014 (press release, for english version scroll down)

Das Bündnis Abolition 2014 trauert um die vier Frauen, die innerhalb von nur 35 Tagen in der deutschen Prostitution - in Niedersachsen, in Nordhein-Westfalen und in Sachsen - getötet wurden: Zwei Ungarinnen, eine Dominikanerin und eine nicht näher bezeichnete prostituierte Frau wurden entweder brutal ermordet oder fielen einem Bordellbrand zum Opfer. Diese Frauen reihen sich ein in die lange Liste von Frauen (und Transfrauen), die international das System Prostitution nicht überleben. Viele Menschen aus der ganzen Welt nahmen und nehmen über die von deutschen Aktivistinnen betriebene Webseite www.sexindustry-kills.de und die dazugehörige Facebookseite Anteil an den Schicksalen dieser Frauen, von denen die Öffentlichkeit oft nicht mal den Namen und das Alter, geschweige denn die traurigen Geschichten, die sie in die Prostitution und die sexuelle Ausbeutung in unserer Mitte geführt haben, erfährt. Fast immer bleiben sie gesichtslose, anonyme Opfer einer milliardenschweren Sexindustrie, deren größte Sorge der Frage gilt, wie sie sich absichern kann und den größten Profit aus den von ihr den Käufern angebotenen Frauen, Kindern und jungen Männern herausschlagen kann.

Dienstag, 8. November 2016

Frauengedenken in Mauthausen

Der nachfolgende Beitrag der Autorin Elfie Resch wurde in der Krampfader - Kasseler FrauenLesbenzeitschrift, veröffentlicht.  Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Krampfader-Redaktion.

Sie sitzt auf der Band vor ihrem Haus und wartet auf die Mitfahrgelegenheit zur Gedenkveranstaltung nach Mauthausen.
Seit etwa 10 Jahren fuhr sie nicht mehr mit dem Bus, der vom Bezirk organisiert wird.

Damals war sie einer Gruppe junger Frauen begegnet, die vor der Bordellbaracke einen Kraz niederlegten. Zum ersten Mal in all den Jahren wurde der Frauen gedacht, die in der Hoffnung hierher gekommen waren, durch eine kurze Zeit im Bordell, ihre Freiheit wieder zu erlangen.

Interview mit Huschke Mau

Soledad Cartagena von der schwedischen Internetzeitung Feministiskt Perspektiv hat die deutsche Prostitutionsüberlebende Huschke Mau interviewt

Warum hast du den Brief “Ich habe die Schnauze voll von Euch” geschrieben?

Ich habe den Brief geschrieben, als ich ein Interview mit ihr las, in dem sie [Stefanie Klee] schrieb das einzige traumatisierende an der Prostitution sei die Stigmatisierung, beginnend ab dem Moment an dem sie das Bordell verlasse. Es war so unglaublich zynisch und menschenverachtend, wie sie die Tatsachen verdreht und Prostitution als etwas dargestellt hat, das nicht schädigend ist. In Deutschland ist es schwer, als ehemalige Prostituierte zu sprechen. Das gesellschaftliche Klima ist unglaublich feindlich. Männer glauben immer noch, sie hätten ein Recht auf Sex. Dass Sex sich nicht von dem Körper, von dem Menschen trennen lässt, wird ausgeblendet. In Deutschland zu sagen, wie es wirklich ist, sich zu prostituieren, ist schwer. Man wird angegriffen, beleidigt, verhöhnt und erlebt schwere Verletzungen durch die abwertenden Kommentare. Ich wurde sogar schon von Menschen darüber belehrt, was meine Erfahrungen in der „Sexarbeit“ zu sein haben, und wenn sie nicht positiv sind, läge es an mir. Ich wurde auch schon gefragt: „Wenn du keinen Sex magst, warum bist du dann Sexarbeiterin geworden? Schön doof!“ oder es wurde behauptet, ich hätte mir das alles ausgedacht. Weil das gesellschaftliche Klima in Deutschland so pro Prostitution ist, habe ich lange geschwiegen. Aber als ich das Interview mit Stephanie Klee gelesen habe (die von der Pro-Prostitutionslobby kommt, eine eigene Agentur besitzt und sich jetzt auf „Sexualassistenz Behinderter spezialisiert hat) ist irgendetwas in mir geplatzt. Ich war einfach zu wütend! All diese Behauptungen sorgen dafür, dass sich die Realität hunderttausender prostituierter Frauen in Deutschland nicht ändert und dass sie weiter in diesem Sumpf stecken, in dem sie missbraucht werden und ihnen keiner glaubt, was sie erleben!


Donnerstag, 3. November 2016

Gemeinsame Eingabe an UN Frauen durch Abolition 2014, Kofra und die Initiative Stop Sexkauf.


UN Frauen arbeitet an einer gemeinsamen Position zum Thema Prostitution. In diesem Zusammenhang erging weltweit ein Aufruf, Stellungnahmen einzureichen.

Hier unsere gemeinsame Eingabe mit Kofra (München) und dem Bündnis Stop Sexkauf. 


Deutsche Übersetzung des Aufrufs auf banishea







Kofra – Kommunikationszentrum für Frauen ist eine Anlaufstelle für Frauen. Stop Sexkauf und Abolition 2014 sind säkular und feministisch und fordern die Abschaffung der Prostitution über die sinnvolle Unterstützung der Frauen in der Prostitution und die Bestrafung der Käufer, da sie diejenigen sind, die diese Industrie erhalten. Deutschland ist zu einem Paradebeispiel für die Umsetzung der Forderungen der Sexindustrie geworden – während einige Kommunen sich einige Regulierungen vorbehielten, entschieden sich Städte wie Berlin für die vollständige Entkriminalisierung – und bietet einen düsteren Ausblick auf die Zukunft einer ungehinderten Sexindustrie.

Joint submission to UN Women by Abolition 2014, Kofra and Initiative Stop Sexkauf.


UN Women is currently working on a position regarding prostitution. A call for submissions was issued. 

The following is the written submission by Abolition 2014, Kofra (Munich) and the Initiative Stop Sexkauf. 

The UN Women "call for submissions" can be read here






Kofra – Kommunikationszentrum für Frauen is a women's advocacy centre. Stop Sexkauf and Abolition 2014 are secular and feminist, advocating for the abolishment of prostitution via viable support for women in prostitution and the penalization of the buyer, as he sustains this industry. 

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Blickpunkt Nationalsozialistischer Untergrund und der Fall Peggy Knobloch: Warum Neonazismus, Pädokriminalität und Rotlichmilieu gut zusammenpassen


Rotlichtviertel Frankfurt am Main, CC BY SA 3.0 - Arne Hückelheim
*Gastbeitrag*

Eine Nachricht hat in der vergangenen Woche eingeschlagen wie eine Bombe: Die DNA des Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt wurde bei der Leiche von Peggy Knobloch gefunden. Peggy war im Mai 2001 spurlos verschwunden. Ihre Leiche wurde erst in diesem Sommer 2016, nach 15 Jahren, in einem Waldstück entdeckt. Nun also stellt sich die Frage, wie der NSU mit einer Kinderleiche in Verbindung zu bringen ist.

Für viele scheint dies hinten und vorne nicht zusammen zu passen. „Ex-Chefermittler überrascht“ heißt es da zum Beispiel – oder es wird seitens eifriger DiskutantInnen darauf verwiesen, dass doch gerade (Neo-)Nazis immer wieder sich insbesondere mit Kampagnen gegen „Kinderschänder“ hervortun.

Nicht überrascht hingegen war der Anwalt der Nebenklage, Yavuz Narin. Er wies darauf hin, dass ihm eine Häufung pädokrimineller Gewaltverbrechen im Umfeld des NSU aufgefallen sei und sagt „Von einem Netzwerk zu sprechen, scheint mir untertrieben. Man müsste von einem Sumpf sprechen.“ Quelle

Und in der Tat: Nicht nur Pädokriminalität, sondern auch Verbindungen ins und Beteiligung am Rockermilieu, welches in Verbindung zu bringen ist mit Kinder- und Frauenhandel, stechen geradezu ins Auge.

Dies möchten wir uns in diesem Beitrag einmal genauer ansehen.

Hinweis: Die nachfolgenden Ausführungen sind das Ergebnis einer ca. einwöchigen Recherche. Sie beanspruchen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt sicher Menschen, die sich schon länger mit dem NSU und seinem Umfeld befassen, weitere Hinweise sind ausdrücklich erwünscht! Gerne liefern wir bei näherem Interesse zu einzelnen Informationen oder Aspekten auch weiterführende Literatur.