Montag, 12. Februar 2018

Die Schwedische „Rose Alliance” – eine betrügerische Organisation



Die „Rose Alliance“ ist ein schwedischer Verband, der sich als Betroffenenorganisation für prostituierte Frauen ausgibt. In Debatten betonen seine Mitglieder die Wichtigkeit der Trennung von freiwilliger und erzwungener Prostitution. Aber wer sind sie und wessen Interessen vertreten sie wirklich? 

Von Gerda Christenson (Kvinnofronten, Schweden)
Übersetzung: Elisabeth Lauer
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Autorin

Die schwedische Rose Alliance ist eine Organisation, die vor allem außerhalb Schwedens bekannt ist. Ihre Sprecherin Pye Jakobsson hat in mehreren internationalen Organisationen hohe Positionen inne und wird oft als Prostitutions-Expertin zur Rate gezogen. Denn sie hat es geschafft ihren Verband so zu präsentieren, als würde er die Gesamtheit der prostituierten Frauen Schwedens vertreten.

In Debatten spricht Jakobsson von „uns Sexarbeiterinnen“, fast so als könnte sie für alle Frauen in der Prostitution sprechen. Selten wird eine Frau, die sich öffentlich für Prostitution und Pornografie ausspricht und suggeriert sie spräche für die Mehrheit ihres Geschlechts, hinterfragt. In der Regel freuen sich die Medien über jeden Beitrag über „glückliche Huren“.

Dienstag, 23. Januar 2018

Don't let facts ruin my reputation -


Three Monkeys
Oder: Ich lass mir mein Gerede doch nicht durch Fakten kaputt machen.

Zu Mithu Sanyals Satzreihen in der heutigen taz online.

Dr. Ingeborg Kraus ist eine international anerkannte deutsche Traumatherapeutin, die sich auf Grund ihrer Arbeit gegen die sexuelle Benutzung von Frauen, jungen Männern und Trans* gegen Geld einsetzt. Da Prostitution männliches Herrschaftsdenken bedient (der Mann will etwas, also hat die Gesellschaft es für ihn einzurichten), wird in der Tat von Männern als Käufern gesprochen. Die Machtstruktur, die Prostitution erst ermöglicht und die von ihr gestützt wird, ändert sich nicht dadurch, dass verzweifelt immer wieder von Kund*_innen geschrieben wird, es ist ein eigentümliches Phänomen der deutschen Gesellschaft, dass nirgends so schnell geschlechtergerecht formuliert wird, wie dann, wenn es um sexuelle Gewalt geht. Noch den eingefleischtesten Vertrendenden des generischen Maskulinums gelingt es plötzlich, weibliche Formen in ihren Wortschatz aufnehmen. Aber dies nur am Rande.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Überlebensmechanismen und Trauma-Bonding in der Prostitution

CC BY SA 2.0. - Kiran Foster
“Wir wurden gebrochen. Wir wurden zerrissen. Wir erhielten von $20 bis $5000 und es fühlt sich gleich an. Es fühlt sich an wie $2. Es gibt keinen Unterschied zwischen High-Class und Low-Class. Ich habe alles davon hinter mir und es fühlt sich alles gleich an” - Ne`cole Daniels
 „Ich war ein High-Class-Escort und wir haben uns immer vorgemacht, dass das, was wir getan haben, so viel besser war, als das, was die Prostituierten auf der Straße oder in den schäbigen Bordellen tun. Die Wahrheit ist, dass wir genau das Gleiche gemacht haben: wir hatten gefakten Sex für Geld. Es macht keinen Unterschied, dass die Laken sauber waren“ - Tanja Rahm
Immer wieder stellen wir in Debatten fest, dass die Gruppe der prostituierten Frauen aufgesplittet wird: In zwangsprostituierte Frauen und „freiwillige“ prostituierte Frauen. Wenngleich die Definition dessen, was Zwang bedeutet, variiert, ist die Logik immer die gleiche: Es gibt Frauen, die gezwungen sind, sich zu prostituieren, mit Gewalt oder aus ökonomischer Not heraus und die unser Mitleid verdienen – und jene, die sich „frei“ dazu entschieden haben, obwohl sie doch- ganz offenkundig - Alternativen hätten. Zum Beispiel, weil sie Deutsche sind und Hartz IV beziehen können, anders als die arme Rumänin, die hier von Sozialleistungen ausgeschlossen ist und im Heimatland im heruntergekommenen Armen-Ghetto lebt. Weil sie Akademikerinnen sind, studiert haben oder einen „anständigen“ Beruf gelernt haben. Diese Frauen haben dementsprechend in den Augen mancher „selbst schuld“ und verdienen unser Mitleid nicht.
„Die Wahrheit ist, dass Radikal-Feministinnen hier auf der richtigen Seite der Geschichte stehen und sie die einzigen Feministinnen sind, die voll und ganz verstehen, worum es geht und warum das so ist. Sozialistische Feministinnen haben meinen Respekt, aber sie haben nicht ganz verstanden, worum es geht. Prostitution existiert nicht als Folge der wirtschaftlichen Entrechtung der Frau. Armut ist begünstigender Faktor. Aber kein Grund. Begünstigende Faktoren sind keine Gründe. Sie sind einfach begünstigende Faktoren.“ - Rachel Moran
Dabei wird übersehen, dass auch Frauen, die deutsch und weiß sind und studieren, in Armut leben können. Auch sie können aus dysfunktionalen Familienverhältnissen stammen und sexuelle, physische oder oft auch emotionale Gewalt erfahren haben und ihre Traumata in der Prostitution reinszenieren. Rachel Moran weist darauf hin, dass eine Sichtweise, die nur die materiellen Lebensbedingungen als Ursache von Prostitution ansieht, verkürzt ist.

Dienstag, 5. Dezember 2017

Die Prostitutionsdebatte und das „Reden mit Betroffenen“


Pixabay, Public Domain
Diskussionen zu Prostitution laufen immer sehr ähnlich ab. Eine große Rolle spielt dabei immer wieder – und das völlig zu Recht – die Sichtweise der Betroffenen. Appelle „mit Betroffenen zu reden“ erfüllen dabei aber in aller Regel die Funktion die Debatte in Richtung bestimmter Betroffener zu lenken, wie ich im Folgenden - nach der 74598ten Online-Debatte zum Thema - bei der (etwas überspitzten) Nkachzeichnung eines idealtypischen Diskussionsverlaufes zeigen möchte – als ewig gleiches Drama in drei Akten.

Prolog

Jemand beginnt eine Debatte zum Thema, der Aufhänger ist relativ egal, und legt seine Meinung zum Sachverhalt dar. Ein paar Mitdiskutierende äußern Zustimmung, Abweichung oder partiell von jedem etwas, bzw. bringen zusätzliche Aspekte ein. Und dann, man kann die Uhr drauf stellen, passierts.

Samstag, 11. November 2017

Sport? Oder altbackene Männlichkeitsrituale - der SV Oberwürzbach und seine Trikots

Nach Protesten muss ein (Grünstreifen-?) Amateurverein im Bereich Fußball sein Sponsoring durch ein Porno-Label, zumindest die offene Werbung damit, abgeben. Zahlreichen Männern gefällt das nicht, und sie erklären ausführlich mit Unterstützung des Vereins bzw. seines Facebookadmins, warum bei Pornowerbung auf Fußballtrikots alles paletti ist. Auch bei Vereinen, die sich Jugendarbeit in die Satzung schreiben.

Der Offene Brief, für den wir Huschke Mau und den inzwischen mehr als 120 Unterzeichnenden danken, erklärt die Sachlage sehr gut. Es geht um den Verein, seine Ideen zu Trikots und seinen Facebookauftritt. Die Sachlage wird aus dem Offenen Brief deutlich. 


Inzwischen ist der Verein auf die Idee gekommen, die Gewässer mit folgendem Ansatz zu beruhigen: "!!! HIGHLIGHT !!! Endlich gibt's das Trikot für alle! Werde Fan ... ein Teil unseres Erlöses wird gespendet ... ... Spendenorganisation wird demnächst benannt ... " Nun... wir sind unterwältigt.  Hier der Brief:


Freitag, 20. Oktober 2017

Die Frauen in den Bordellen Europas sind unsere Schwestern!

Keine Prostitution! Feministinnen für das schwedische Model.

Von Dolores Claiborne

(Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Der Text ist englisch und ukrainisch auf der Facebookseite der Gruppe НІ ПРОСТИТУЦІЇ! Феміністки за шведську модель erschienen und steht in beiden Sprachen unter diesem Artikel. Die spanische Übersetzung wurde auf dem Blog Traductoras para la abolición de la prostitución.)



Der 18. Oktober ist der europäische Tag gegen Menschenhandel.

Kiew, Ukraine

An diesem Tag zogen wir – ukrainische feministische Abolitionistinnen (1) zur Botschaft der Bundesrepublik Deutschland um gegen den Frauenhandel in Deutschland zu protestieren. Wir zeigten uns, weil in deutschen Bordellen Männern die Gelegenheit gegeben wird, Frauen, darunter Frauen aus der Ukraine, legal zu vergewaltigen. Ja, wir halten Prostitution für die Vergewaltigung gegen Geld, ein Verbrechen gegen Frauen, unvereinbar mit der Würde und dem Wert der menschlichen Person, und eine Gefährdung des Wohls des einzelnen, der Familie und der Gemeinschaft, so wie es in der UN-Konvention dargelegt ist. (2)

Die Regierung der Ukraine hat eine Reihe von Maßnahmen gegen Menschenhandel ergriffen: Sie hat das Programm gegen Menschenhandel bis 2020 entwickelt, die materielle Unterstützung von Menschenhandelsopfern erhöht, den Aktionsplan für zusätzliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Menschenhandels eingeführt und den der Weiterentwicklung der zuständigen Institutionen im Bereich von Straftaten im Zusammenhang mit Menschenhandel. Auf Grund dieser Maßnahmen wurden in den neun Monaten diesen Jahres, 2017, fast dreimal so viele Strafverfahren dazu eröffnet als in den 12 Monaten des Vorjahres. Wir haben dennoch nur geringe Zweifel daran, dass die meisten Frauen im Menschenhandel am Zielort landen – Ländern, in denen Prostitution vollständig legalisiert ist (oder in denen Kunden in keinerlei Verantwortung genommen werden, wenn sie die Körper von Frauen für Sex kaufen), so wie Deutschland oder Griechenland.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Warum Kaya Jones Enthüllung mir das Herz gebrochen hat



By Sgt. Ben Hutto (Army.mil) [Public domain], via Wikimedia Commons
Übersetzung eines Textes der australischen Prostitutionsüberlebenden Simone Watson, mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Vielleicht habt ihr schon in den Nachrichten gelesen oder gehört, dass die frühere Pussycat Doll-Sängerin Kaya Jones davon spricht, nicht Mitglied einer „Girlband“ gewesen zu sein, sondern einem Prostitutionsring angehört zu haben. Ich habe einige grundsätzliche Gedanken dazu. Fügt eure gerne dazu. 

Ariel Levy hat in ihrem Buch „Female Chauvinist Pigs“ über die Verbreitung einer obszönen Kultur geschrieben.

Germaine Greer hat in ihrem Buch „The Whole Woman“ die Ansichten über Grrrl Power kritisiert.

Und bei Kajsa Ekis Ekman geht es in „Ware Frau“ darum, wie Frauen und Mädchen, das Bild der „Hure“ als ein Modestatement aufgreifen (ohne jemals selbst prostituiert gewesen zu sein). Die Aneignung der „Uniform“ der „Hure“, ohne die Erfahrung gemacht zu haben, wie es ist, eine „Hure“ zu sein; ohne anzuerkennen, dass es die Zuhälter sind, die prostituierte Frauen so anziehen, und ohne zu verstehen, dass ihre Bekleidung zur „Feier der Schlampe“ eine grausame Parodie unserer sexuellen Sklaverei und Erniedrigung ist. 

Diese stichhaltigen Kritiken haben bei mir Erinnerungen daran geweckt, wie ich als Jugendliche ein „Anarchist“ T-Shirt getragen habe, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung zu haben, was Anarchismus überhaupt ist. Ich dachte mir einfach nur es sei Punk, und damit cool. Ein aktuelleres Beispiel wären die Leute, die mit ihren 400$ teuren, zerschlissenen Jeans, die so designed wurden, dass sie aussehen als wären sie dreckig, die „hobo“-Mode replizieren. Und damit die Wohnungslosen verhöhnen, egal ob ihnen das bewusst ist, oder nicht.

Während den Frauen und Mädchen Merchandise verkauft wird, um unser Bild von „frei und sexuell befreit“ zu perfomen, werden die prostituierten Frauen ignoriert und mit ihrer Realität allein gelassen.
Frauen und Mädchen werden in verschiedene Lager aufgeteilt, in eines, welches die „Schlampenpower“-Ideologie zelebriert, von der wir in der Sexindustrie sagen, dass dieser überhaupt keine Macht inne wohnt (und womit wir auf taube Ohren stoßen).

Als ich zum ersten Mal das Lied „Dont`Cha“ von den Pussycat Dolls gehört und gesehen habe, habe ich meinen Kopf darüber geschüttelt wie unglaublich un-schwesterlich es war. Ihr seid so gemein, hab ich gedacht. Ja, vielleicht hat mein Freund sich gewünscht, dass ich so aussehe wie ihr, und? Warum wollt ihr das? Warum wollt ihr, dass er euch will? Warum wollen wir, dass sie uns überhaupt „so“ wollen?

Ich habe Frauen in Designer-Klamotten gesehen (nicht nur die Pussycat Dolls, auch viele andere), die mich und meine Schwestern verhöhnt haben. Die unsere tägliche Lage, des immer und immer wieder gekauft und verkauft werden, glamorisiert haben – die „Hure“ spielend, ohne es jemals selbst ertragen zu müssen.

Das Body-Shaming anderer Frauen und die Kuppelei zugunsten der Männer wurde als suuuper Pop-Feminismus verkauft. Frauen wurden mal wieder voneinander gespalten. Aber während mir bewusst war, dass Frauen immer und immer wieder auf diese Art und Weise vermarktet werden und das kapitalistische Patriarchat die ganze Zeit gewinnt, hätte ich niemals geglaubt, dass diese Pussycat Dolls, diese Frauen, tatsächlich, und nicht nur auf eine bildlich objektifizierte Weise, sondern wirklich, prostituiert wurden.

Ich weiß gar nicht, warum ich überhaupt über diese Enthüllung einen leichten Schock empfunden habe, und warum es mit das Herz gebrochen hat, davon zu erfahren.

Die Vorstellung von der „Hure“ ist, dass sie eine spezielle Sexyness besitzt, die eine Ehefrau oder Freundin nicht hat, so dass sie die Männer von ihren Partnerinnen wegködert, und dass dies Macht bedeutet. Das Lied „Don`t Cha“ wiederholt dies mantrahaft. Natürlich ist das Gegenteil der Fall, Männer sind es, die das Ködern, das Kuppeln und das Kaufen erledigen.

Kaya, ich erinnere mich, dass ich gedacht habe, dass du wenigstens wählen kannst; Du kannst unsere „Huren“-Klamotten zu Modezwecken replizieren, ohne gezwungen zu sein, eine zu sein, wie ich und meine Schwestern es waren. Ich habe, trotz allem was ich von feministischer Theorie und Frauen als Objekte wusste, angenommen, dass du über Macht verfügst und dich über uns lustig gemacht hast. Uns verhöhnt hast, ohne uns zu kennen, und unsere Ausbeutung als Requisit benutzt hast. Uns in einer Weise parodiert hast, wie es nur Menschen mit Geld und Macht tun.

Ich habe falsch gelegen, und ich habe geweint als ich lernen musste, dass dir und den anderen Frauen das passiert ist. Es tut mir leid. Und ich bin froh, dass du da rausgekommen bist, während anderen Frauen dies nicht gelungen ist.

Nur zu, Kaya Jones!